Blutspecht (Dendrocopos syriacus)

 

 

Der Blutspecht (Dendrocopos syriacus) gehört zur Unterfamilie der Echten Spechte (Picinae). Er ist sehr nahe mit dem Großen Buntspecht (Dendrocopos major) verwandt, mit dem er gelegentlich auch sympatrisch vorkommt und hybridisiert. Ursprünglich nur im Nahen und in den westlichsten Randbereichen des Mittleren Ostens verbreitet, dehnte die Art gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihr Brutareal über den Balkan bis ins östliche und nordöstliche Mitteleuropa aus. Diese Arealausweitung hält, allerdings sehr stark verlangsamt, noch immer an.

Der überwiegend schwarz-weiß kontrastierende Gesamteindruck des Blutspechts ist typisch für die Gattung der Buntspechte. Er ist dem bekanntesten Vertreter dieser Gattung, dem Buntspecht (Dendrocopos major), sehr ähnlich. Bei beiden Geschlechtern des Blutspechtes sind in die mattschwarze Oberseite große weiße Schulterflächen eingelassen. Brust, Bauch und Flanken sind schmutzig weiß-gelblich, die Flanken sind undeutlich dunkel längsgestrichelt. Die schwarzen Handschwingen sind deutlich weiß gebändert, wobei das oberste weiße Flügelband meist mit den Schulterflecken verbunden ist. Der Stützschwanz ist schwarz, die äußeren Schwanzfedern weisen eine weiße, individuell variierende Bänderung auf. Wangen und seitliche Halsteile sind weiß mit leichtem gelblichen Anflug; begrenzt werden diese hellen Gefiederteile des Kopfes durch ein deutliches schwarzes Zügelband und einen schwarzen Bartstreif, sowie scheitelwärts durch eine schwarze Kopfplatte, die sich beim Weibchen über den Nacken zum schwarzen Rückengefieder fortsetzt, beim Männchen jedoch durch ein deutliches, ziegelrotes Nackenabzeichen unterbrochen ist. Das Zügelband hat keine Verbindung zum schwarzen Nackengefieder. Die Stirn ist bei beiden Geschlechtern weiß, oft rein weiß, zuweilen jedoch auch leicht gelblich. Die Augen sind schwarz, der Schnabel ist hellgrau. Der Steiß und die Unterschwanzdecken sind rosarot.

 

Weibchen unterscheiden sich von den Männchen durch das Fehlen der roten Nackenfärbung und durch einen etwas matteren Färbungston. In Gewicht und Größe sind die beiden Geschlechter identisch. Das Jugendgefieder ist matter und struppiger, die einzelnen Gefiederpartien sind farblich weniger scharf voneinander abgegrenzt. Beide Geschlechter tragen im Jugendkleid eine rote Kopfplatte, während der Nackenabschnitt auch beim Männchen schwarz ist. Vor allem die Flanken sind recht deutlich längsgestrichelt, häufig sind bei jungen männlichen Blutspechten zerstreute rote Sprenkel auf der Brust erkennbar.

Mit etwa 23 Zentimetern Körperlänge zählt der Blutspecht zu den mittelgroßen Spechten. Er ist ebenso groß wie ein Buntspecht. Die Spannweite misst zwischen 34 und 39 Zentimeter. Im Mittel wiegen adulte Blutspechte um die 80 Gramm.

Obwohl Blutspecht und Buntspecht einander sehr ähneln, bestehen doch gute Unterscheidungsmerkmale, die bei ausreichenden Sicht- und Beobachtungsbedingungen auch eine sichere feldornithologische Bestimmung ermöglichen. Am deutlichsten unterscheiden sich die beiden Arten in der Gesichtszeichnung. Der weiße Wangenfleck wird beim Buntspecht durch das bis zum Nacken reichende Zügelband eingerahmt, beim Blutspecht ist dieser Zügel offen, so dass das Gesicht insgesamt weißer erscheint. Der rote Nackenfleck des Männchens ist beim Blutspecht größer; er reicht in den unteren Scheitelbereich und das Rot ist etwas heller als bei der Schwesterart. Auch das weiße Stirnabzeichen ist beim Blutspecht etwas ausgedehnter. Sieht man sitzende Spechte von hinten, fällt beim Buntspecht eine Kreuzzeichnung auf, die aus dem schwarzen Nackenband und den in dieses Band einmündenden Zügel gebildet wird; beim Blutspecht ist nur das schmale Nackenband zu sehen. Fliegende Spechte sind am besten an den Schwanzfedern oder an der Zeichnung des Steißes zu erkennen. Die äußeren Schwanzfedern des Buntspechtes, vor allem deren Außenfahnen, sind überwiegend weiß, die des Blutspechtes schwarz mit wenigen weißen Flecken. Die Rotfärbung des Steißes und der Unterschwanzdecken ist beim Buntspecht ausgedehnt und intensiver tiefrot, während diese Gefiederpartien beim Blutspecht einen blassroten, beziehungsweise rosaroten Farbton aufweisen.

 

Vom Mittelspecht (Dendrocopos medius) können adulte Blutspechte allein durch die Größe und die bei beiden Geschlechtern des Mittelspechtes vorhandene rote Scheitelplatte gut unterschieden werden. Juvenile Individuen können aber Bestimmungsprobleme bereiten, da auch bei jungen Blutspechten die Scheitelpartie rot gefärbt ist. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal sind neben der Größe die äußeren Steuerfedern, die beim Mittelspecht viel Weiß aufweisen, beim Blutspecht aber mehrheitlich schwarz sind.

 

In einigen Gebieten des Balkans und Transkaukasiens kommen die Brutgebiete des Blutspechts in enge geographische Nähe zu denen des Weißrückenspechts; die beiden Arten leben jedoch in weitgehend unterschiedlichen Habitaten. Beide Geschlechter des Weißrückenspechtes sind vom Blutspecht gut durch das völlige Fehlen von weißen Schulterabzeichen zu unterscheiden.

Alle Lautäußerungen des Blutspechtes sind denen des Buntspechtes sehr ähnlich, lassen sich mit einiger Erfahrung aber dennoch recht gut unterscheiden. Der häufigste Ruf beider Arten ist ein einzelnes, sehr häufig in kurzen Abständen hintereinander geäußertes „kjüg“, oder auch „dschi(r)k“, das sogenannte Kixen. Beim Blutspecht klingt dieser Laut weich, etwas quietschend, nicht metallisch hart wie beim Buntspecht. Gorman vergleicht den Klang mit dem Geräusch, den eine Quietschpuppe produziert. Dieser Laut wird in unterschiedlichen Situationen sowohl im Sitzen als auch im Flug von beiden Geschlechtern geäußert. Daneben verfügen Blutspechte noch über eine Reihe meist kurzer, scharfer Rufe wie kip-kip, die in Erregungssituationen zu langen Folgen gereiht werden können. Sexuell motivierte Rufe klingen wie kwiiieep oder quuiieg. Die Jungen sind nur in den Fütterungsphasen akustisch auffällig, doch ist ihr Quietschen leiser als das von Buntspechtnestlingen.

Blutspechte trommeln etwas seltener als Buntspechte, jedoch dauern die Trommelwirbel etwas länger als die der Schwesterart. Sie bestehen aus bis zu 30 Schlägen; zwischen dem ersten und zweiten Schlag ist gelegentlich eine kleine Pause feststellbar. Beide Geschlechter trommeln, die Weibchen allerdings seltener, leiser und kürzer. Gelegentlich trommeln Weibchen noch während der Zeit der Jungenaufzucht.

Die Verbreitung der Art beschränkt sich auf ein vergleichsweise kleines zentral- und westpaläarktisches Gebiet, das vom Südosten des Irans, Teilen des Iraks, Syriens, Libanons und Israels über die Türkei nordwärts bis ins nordöstliche Mitteleuropa reicht. Ein vom geschlossenen Brutgebiet weitgehend isoliertes Vorkommen im Südosten des Irans, nahe der Grenze zu Pakistan, berührt die orientalische Faunenregion. Zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet dürften auch die Brutgebiete in den Kaukasusstaaten zählen. Außer auf Thassos, Samothrake und Limnos scheint die Art auf keiner anderen Mittelmeerinsel zu brüten.

 

In Europa sind weite Teile der Balkanhalbinsel, Ungarns und der Slowakei, sowie die östliche Hälfte Sloweniens, Ostösterreich, Ost- und Zentraltschechien, Süd- und Mittelpolen, sowie einige südliche Gebiete Weißrusslands von dieser Art besiedelt. Auch in weiten Teilen der Ukraine und in Moldawien ist dieser Specht Brutvogel. Ob Brutvorkommen auf der Krim bestehen, ist bislang nicht bestätigt.

 

In Deutschland gab es einige Brutzeitbeobachtungen, so 1982 bei Köthen, ein Brutnachweis wurde noch nicht erbracht. Die nächstgelegenen Brutplätze in Tschechien liegen jedoch weniger als 50 Kilometer vom deutschen Staatsgebiet entfernt.

Einmal etablierte Blutspechte sind weitgehend ortstreu und verharren auch in strengen Wintern nach Möglichkeit im Brutgebiet. Die rasche Ausbreitung nach Süd- und Mitteleuropa zeigt jedoch eine große Mobilitätsbereitschaft. Neuansiedlungen können 100 und mehr Kilometer entfernt vom nächstgelegenen Brutort stattfinden; fast immer handelt es sich um Jungvögel, die über solche Distanzen dismigrieren.

Der Blutspecht weitete sein Brutgebiet vor allem im 20. Jahrhundert wesentlich nach Westen, Norden und Nordosten aus. Habitat- und Klimaveränderungen werden als Gründe für diese Arealexpansion genannt. Das namengebende Exemplar stammt aus Syrien, wurde von den Zoologen Hemprich und Ehrenberg gesammelt und nach Hemprichs Tod von Ehrenberg 1833 beschrieben. Über die Ausdehnung des Brutareals der Art zu dieser Zeit sowie über das damalige Bruthabitat ist nichts bekannt. 1890 wurde ein Exemplar aus Nordbulgarien als Blutspecht bestimmt; dieser Beleg gilt als erster Nachweis der Art in Europa, doch muss der Blutspecht schon früher in die südlichen und südwestlichen Balkangebiete eingewandert sein, da nur wenige Jahre später offenbar bereits gute Populationen in Südserbien bestanden. In der Großen Ungarischen Tiefebene wurde der Blutspecht erstmals 1928 nachgewiesen; in den nächsten 20 Jahren besiedelte die Art dieses Gebiet, sowie angrenzende Bereiche im heutigen Kroatien und Nordserbien weitgehend flächendeckend. Die erste Feststellung in Österreich erfolgte 1951 am Nordrand des Neusiedler Sees, vermutlich war die Art zu diesem Zeitpunkt in der weiteren Umgebung des Sees bereits ein verbreiteter Brutvogel. Zeitgleich mit der Nord- und Nordwestexpansion dehnte der Blutspecht sein Brutareal auf die südliche Balkanhalbinsel aus. In den folgenden Jahren etablierte sich der Blutspecht in weiten Teilen der Slowakei und in Tschechien. Seit den 1980er Jahren verlangsamte sich die Nordbewegung deutlich, während die Ostausbreitung in Richtung Ostukraine und der Krim anhält. Heute liegt die nördliche Arealgrenze der Art bei Białystok in Nordostpolen, Sichtbeobachtungen gelangen jedoch auch aus Gebieten an der Danziger Bucht, vor allem auf der Hel.

Zurzeit werden Arealausweitungen vor allem aus Weißrussland gemeldet, wobei dort der Expansionsdruck offenbar von ukrainischen Spechten ausgeht. Auch in der Ukraine dehnt der Blutspecht sein Brutgebiet weiter nach Osten und Südosten aus. Die Nordbewegung ist jedoch weitgehend zum Stillstand gekommen. Es wird vermutet, dass der Blutspecht mit Erreichen der 18-Grad-Juli-Isotherme seine klimatisch bedingte Verbreitungsbarriere erreicht hat. Ein Hindernis für eine noch nicht erfolgte Besiedelung Norditaliens sowie der Apenninhalbinsel stellen offenbar die Alpen, beziehungsweise das Adriatische Meer dar.

Der Blutspecht bewohnt in seinen Herkunftsregionen schüttere, montane Eichenwälder und lockere Bachufergehölze aus Pappeln, Weiden, Orientalischen Platanen und Nussbäumen. Er meidet sowohl offene Wacholder- und Kiefernwälder als auch geschlossene Laub- und Nadelwälder. Schon in seinem Ursprungsgebiet kam und kommt er in Kulturlandschaften wie Obstgärten, Parks, Friedhöfen oder Weingärten vor. Diese Disposition, vom Menschen gestaltete Räume zu besiedeln, ermöglichte es der Art offenbar, in eine von anderen Spechten noch nicht vollständig genutzte Nische vorzudringen. In seinen Expansionsgebieten besiedelt der Blutspecht fast ausschließlich von Menschen geformte Landschaftsstrukturen, wie Obstgärten, Parkanlagen, Friedhöfe, Siedlungsränder, kleine Baumgruppen und Alleen. Seine Reviere erstrecken sich oft über einige Gärten, zwischen denen für ihn unnutzbares Gebiet liegen kann. Sehr häufig besucht er Obstplantagen oder brütet in ihnen. Bevorzugt werden solche mit Steinobst, wie Aprikosen, Kirschen oder Pflaumen, häufig ist er auch in Maulbeer-, Walnuss- oder Mandelbäumen zu sehen. Von allen Spechten Europas ist er der ausgeprägteste Kulturfolger.

 

In Europa kommt der Blutspecht hauptsächlich in niederen Höhenlagen bis zu 400 Metern vor. Vereinzelt wurden Bruten aus höheren Lagen gemeldet, so aus der Slowakei und aus Bulgarien (800 Meter über NHN, beziehungsweise 1.000 Meter über NHN). In seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet im Iran bestehen Brutvorkommen über 2.000 Meter, doch reichen dauernde Besiedelung und Bewirtschaftung in dieser Region ebenfalls in diese Höhen. In vielen tiefgelegenen Sekundärhabitaten kommt der Blutspecht sympatrisch mit dem Buntspecht vor.

Der Blutspecht ist ein Vertreter der recht umfangreichen Gattung Dendrocopos, in der kleine bis mittelgroße Baumspechte mit überwiegend schwarz-weißem Gefieder zusammengefasst sind. Gemeinsam mit Weißflügelspecht (D. leucopterus), Buntspecht (D. major), Himalajaspecht (D. himalayensis) und dem Tamariskenspecht (D. assimilis) bildet er eine Superspezies. Die 20 Vertreter der Gattung Dendrocopos kommen in Eurasien sowie in Nordafrika vor. Bis vor wenigen Jahren war Dendrocopos mit verwandten, vor allem nearktischen Arten, in der Gattung Picoides vereint. Insgesamt sind die verwandtschaftlichen Beziehungen sowohl zwischen diesen beiden Gattungen, als auch innerhalb der Gattungen selbst, Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Diskussion.

Strittig ist auch, ob Unterarten bestehen. Das HBW unterscheidet keine Unterarten, nach anderen Autoren sind neben der Nominatform noch zumindest zwei Unterarten, nämlich D. s. milleri und D. s. transcaucasicus zu unterscheiden. Die erste kommt vor allem im Ostiran, die zweite in den Kaukasusgebieten vor. Andere genannte Unterarten wie balcanicus oder romanicus gelten als regional verbreitete Färbungsvarianten.

 Mischbruten zwischen Blutspecht und Buntspecht sind nicht selten. Die fertilen Jungen zeigen Merkmale beider Elternteile. Besonders die Gesichtszeichnung, die Intensität und Farbtönung der Rotanteile des Gefieders, sowie Ausmaß der Weißzeichnungen an den Schwanzfedern können Aufschluss über eine Bastardisierung geben. Möglicherweise liegen den nicht anerkannten Unterarten romanicus und balcanicus Mischbruten zugrunde.

Der Blutspecht nimmt etwa zu gleichen Teilen vegetabile und animalische Kost zu sich, wobei sich die Anteile jahreszeitlich etwas verschieben können. Damit unterscheidet sich die Nahrungszusammensetzung dieser Art von allen anderen europäischen Spechtarten, die zwar ebenfalls pflanzliche Kost verzehren, jedoch nicht in diesem Ausmaß und nicht relativ gleichmäßig über das gesamte Jahr verteilt. Lediglich beim Buntspecht können Vegetabilien saisonal einen ähnlich hohen Anteil erreichen. Auch die Jungen des Blutspechtes werden zu einem relativ hohen Anteil mit pflanzlicher Kost versorgt. Der Blutspecht bevorzugt reifes Steinobst wie Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche und Pflaumen; aber auch Äpfel, Birnen, viele Beerenarten, die Früchte des Maulbeerbaumes, sowie Weintrauben, Feigen und Oliven werden häufig verzehrt. Im Herbst und Winter können Haselnüsse, Walnüsse sowie Pistazien, Mandeln und Pinienkerne zur Hauptnahrung werden. Bei größeren Steinfrüchten nutzt der Blutspecht nicht nur das Fruchtfleisch, sondern auch den im Stein enthaltenen Samen. Auch Sonnenblumensamen und Kürbiskerne zählen zu den vegetarischen Nahrungsbestandteilen dieser Art. Ebenso werden vor allem im Frühjahr Baumsäfte, insbesondere die von Ahornarten, Kiefern und Pinien, aufgenommen.

 

Der animalische Nahrungsanteil unterscheidet sich nicht wesentlich von dem des Buntspechtes. Dabei überwiegen an der Oberfläche lebende Insektenarten und deren Entwicklungsstadien deutlich jene, die im morschen Holz oder unter der Baumrinde vorkommen. Käfer, zum Beispiel Maikäfer, Schmetterlinge und Schmetterlingsraupen, Motten, Ameisen, Grillen, Wespen und Fliegen bilden den überwiegenden Anteil der animalischen Kost. Tausendfüßer, Spinnen, verschiedene Pflanzenläuse, Würmer und Schnecken gehören ebenfalls zum Nahrungsspektrum der Art.

Der Blutspecht ähnelt im Nahrungserwerb dem Buntspecht, doch sind seine Verhaltensweisen in einigen Aspekten weniger entwickelt als die seines nahen Verwandten. Blutspechte scheinen keine echten Schmieden zu verwenden, auch das Ringeln safttreibender Bäume ist bisher nicht beobachtet worden, obwohl Säfte, die aus Rindenverletzungen oder durch Ringelaktivitäten anderer Spechte austreten, ausgebeutet werden.

 

Der Blutspecht sucht seine Nahrung sowohl am Boden als auch in allen Stamm- und Astregionen bis in den Wipfelbereich hoher Bäume. Niedrigere Stammbereiche und starke Äste werden jedoch bevorzugt. Die tierischen Nahrungsanteile werden vor allem durch Absammeln der Beutetiere auf Stamm- und Astoberflächen sowie durch systematisches Stochern gewonnen; das Hacken ist wenig tiefgreifend; meist werden dadurch nur Rindenteile entfernt oder die äußerste Splintschicht bis zu wenig mehr als einem Zentimeter bearbeitet. Bei der Nahrungssuche im Stamm und Astbereich hüpft der Blutspecht beidbeinig stammauf und stammab. Relativ häufig erbeuten Blutspechte durch kurze Ausfallflüge auch Fluginsekten. Zwischen den Nahrungsrevieren kann die Art während des täglichen Nahrungserwerbs beträchtliche Flugdistanzen zurücklegen. Die Früchte- und Nussnahrung wird sowohl direkt von den fruchttragenden Bäumen und Sträuchern als auch auf dem Boden gesammelt. Um Nüsse oder Steinobstkerne zu öffnen, benutzt der Blutspecht Spalten in grobborkigen Bäumen oder Ritzen in Gemäuern, in denen er die Nahrungsobjekte festklemmt. Ein Anpassen solcher Schmieden auf die Größe des zu fixierenden Objekts wurde bislang nicht festgestellt. Gelegentlich wurden Blutspechte beim Anlegen von Nahrungsdepots beobachtet; ob dieses Verhalten bei Nahrungsüberschuss regelmäßig praktiziert wird, ist jedoch noch unklar.

 

 

foto:Mihai Baciu